Gemeinsamkeit kostet nichts
Besuchs- und Begleitdienst der Malteser
Und dennoch ist der Einsatz unendlich kostbar: Was mit ein wenig Gesellschaftleisten beginnt, entwickelt sich oft zu einer schönen Freundschaft.
Tag für Tag warten immer mehr Bonnerinnen und Bonner darauf, dass jemand an ihrer Haustür klingelt. Oft sind die Stimmen
aus dem Fernsehen die einzigen, die sie seit Wochen hören. Die Helfer des
Besuchs- und Begleitungsdienstes (BBD) holen diese Menschen aus ihrer
Einsamkeit
heraus - ehrenamtlich und unentgeltlich. "Die
Nachfrage steigt stetig. Viele Senioren leben nicht nur allein, sie sind es
auch", sagt Ruth Horn-Busch, Leiterin der sozialen Dienste der Bonner Malteser.
"Wir erhalten sehr oft Anrufe von Menschen, die
jemanden suchen, der mit ihnen spazieren geht, Karten spielt, sie beim Einkaufen
begleitet, beim Besuch auf dem Friedhof oder einfach nur zuhört", berichtet Horn-Busch. Ob in privater Wohnung, Altenheimen oder Seniorenresidenzen - überall
erleben sie und ihre Helferinnen und Helfer Ähnliches: Einer bleibt alleine zurück,
Beziehungen haben sich aufgelöst, auch die Beine wollen nicht mehr so recht. Die
Seniorinnen und Senioren haben viel Zeit, aber niemanden, der sie mit ihnen
teilt. "Hohe Scheidungsquoten, die Mobilität am Arbeitsplatz und der Zerfall von
Familien trennen immer mehr junge pflegefähige Menschen von ihren bedürftigen
Eltern und Verwandten", weiß Horn-Busch. Die Überalterung kommt hinzu, immer
mehr Senioren leben in Singlehaushalten, die Hälfte aller Akademikerinnen in
deutschen Städten hat keine Kinder. "Aber wer pflegt sie, wer besucht sie, wenn
sie alt sind?", fragt Ruth Horn-Busch.
Immer mehr Menschen engagieren
sich bundesweit in den Besuchs- und Begleitungsdiensten der Malteser. Damit
jeder Wunsch nach einem Gespräch, nach kleinen Unternehmungen, nach persönlicher
Zuwendung erfüllt werden kann, suchen die Malteser jedoch weitere ehrenamtliche
Helfer. "Wir haben mehr Anfragen von Menschen, die besucht werden möchten, als
Personen, die jemanden besuchen wollen", so Horn-Busch. "Dabei reicht schon eine
Stunde in der Woche, um einem einsamen Menschen eine unbezahlbare Freude zu
machen, und man wird selbst beschenkt."
Sie wollen sich engagieren? Kontaktieren Sie Ruth Horn-Busch unter 0228 / 96992-30.
Hintergrund
Der Besuchs- und Begleitungsdienst der Malteser ist kostenlos, die Frauen und Männer engagieren sich rein ehrenamtlich. Und dennoch ist der Einsatz unendlich kostbar: Was mit ein wenig Gesellschaftleisten beginnt, entwickelt sich oft zu einer schönen Freundschaft.
Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer schenken Zeit und Aufmerksamkeit auf verschiedene Weise:
- Zuhören und Reden
- Spazieren gehen
- Vorlesen
- Begleitung bei Einkäufen
- Begleitung bei Arztbesuchen
- Begleitung bei Behördengängen
- Begleitung bei Veranstaltungen
- Hilfe beim Lesen und Beantworten von Post
Die Idee für den Besuchs- und Begleitungsdienst kam aus der Hospizarbeit der Malteser: Die Helferinnen und Helfer waren immer mehr mit der Begleitung alter, aber durchaus nicht kranker oder sterbender Menschen betraut und benötigten dringend Entlastung. So fasste die Bundesversammlung des Malteser Hilfsdienstes vor zehn Jahren in Erfurt den Gründungsbeschluss für die Besuchs- und Begleitungsdienste.
Heute engagieren sich über 2.100 Ehrenamtliche an 185 Standorten für 7.000 ältere oder behinderte Menschen und schenken ihnen Zeit. Im Durchschnitt "nur" eine Stunde in der Woche. In der Summe bedeutete das 100.000 Stunden weniger Einsamkeit im vergangenen Jahr aus. Denn: Zusammen ist man weniger allein.


