Oktober 2010,

Gemeinsamkeit kostet nichts

Besuchs- und Begleitdienst der Malteser

Und dennoch ist der Einsatz unendlich kostbar: Was mit ein wenig Gesellschaftleisten beginnt, entwickelt sich oft zu einer schönen Freundschaft.

Tag für Tag warten immer mehr Bonnerinnen und Bonner darauf, dass jemand an ihrer Haustür klingelt. Oft sind die Stimmen aus dem Fernsehen die einzigen, die sie seit Wochen hören. Die Helfer des Besuchs- und Begleitungsdienstes (BBD) holen diese Menschen aus ihrer Einsamkeit heraus - ehrenamtlich und unentgeltlich. "Die Nachfrage steigt stetig. Viele Senioren leben nicht nur allein, sie sind es auch", sagt Ruth Horn-Busch, Leiterin der sozialen Dienste der Bonner Malteser.

"Wir erhalten sehr oft Anrufe von Menschen, die jemanden suchen, der mit ihnen spazieren geht, Karten spielt, sie beim Einkaufen begleitet, beim Besuch auf dem Friedhof oder einfach nur zuhört", berichtet Horn-Busch. Ob in privater Wohnung, Altenheimen oder Seniorenresidenzen - überall erleben sie und ihre Helferinnen und Helfer Ähnliches: Einer bleibt alleine zurück, Beziehungen haben sich aufgelöst, auch die Beine wollen nicht mehr so recht. Die Seniorinnen und Senioren haben viel Zeit, aber niemanden, der sie mit ihnen teilt. "Hohe Scheidungsquoten, die Mobilität am Arbeitsplatz und der Zerfall von Familien trennen immer mehr junge pflegefähige Menschen von ihren bedürftigen Eltern und Verwandten", weiß Horn-Busch. Die Überalterung kommt hinzu, immer mehr Senioren leben in Singlehaushalten, die Hälfte aller Akademikerinnen in deutschen Städten hat keine Kinder. "Aber wer pflegt sie, wer besucht sie, wenn sie alt sind?", fragt Ruth Horn-Busch.

Immer mehr Menschen engagieren sich bundesweit in den Besuchs- und Begleitungsdiensten der Malteser. Damit jeder Wunsch nach einem Gespräch, nach kleinen Unternehmungen, nach persönlicher Zuwendung erfüllt werden kann, suchen die Malteser jedoch weitere ehrenamtliche Helfer. "Wir haben mehr Anfragen von Menschen, die besucht werden möchten, als Personen, die jemanden besuchen wollen", so Horn-Busch. "Dabei reicht schon eine Stunde in der Woche, um einem einsamen Menschen eine unbezahlbare Freude zu machen, und man wird selbst beschenkt."

Sie wollen sich engagieren? Kontaktieren Sie Ruth Horn-Busch unter 0228 / 96992-30.


Hintergrund

Der Besuchs- und Begleitungsdienst der Malteser ist kostenlos, die Frauen und Männer engagieren sich rein ehrenamtlich. Und dennoch ist der Einsatz unendlich kostbar: Was mit ein wenig Gesellschaftleisten beginnt, entwickelt sich oft zu einer schönen Freundschaft.

Die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer schenken Zeit und Aufmerksamkeit auf verschiedene Weise:

  • Zuhören und Reden
  • Spazieren gehen
  • Vorlesen
  • Begleitung bei Einkäufen
  • Begleitung bei Arztbesuchen
  • Begleitung bei Behördengängen
  • Begleitung bei Veranstaltungen
  • Hilfe beim Lesen und Beantworten von Post

Die Idee für den Besuchs- und Begleitungsdienst kam aus der Hospizarbeit der Malteser: Die Helferinnen und Helfer waren immer mehr mit der Begleitung alter, aber durchaus nicht kranker oder sterbender Menschen betraut und benötigten dringend Entlastung. So fasste die Bundesversammlung des Malteser Hilfsdienstes vor zehn Jahren in Erfurt den Gründungsbeschluss für die Besuchs- und Begleitungsdienste.

Heute engagieren sich über 2.100 Ehrenamtliche an 185 Standorten für 7.000 ältere oder behinderte Menschen und schenken ihnen Zeit. Im Durchschnitt "nur" eine Stunde in der Woche. In der Summe bedeutete das 100.000 Stunden weniger Einsamkeit im vergangenen Jahr aus. Denn: Zusammen ist man weniger allein.

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