Eröffnung der Bonner Nacht der Kirchen in Malteser Notkirche
Rund 10.000 Menschen besuchen die 4. Kirchennacht
Die vierte Bonner Kirchennacht wurde um 19.00 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst in der vom Malteser Hilfsdienst eigens erbauten "Notkirche" im Klanggrund am Hauptbahnhof eröffnet. "Menschen müssen sich alles von der Seele reden können. Das ist manchmal lebensnotwenig", sagte Polizeipräsident Albers in seiner Auslegung von Psalm 23.Zuvor hatten 20 Helferinnen und Helfer der Malteser dazu ein im Durchmesser 10 Meter und in der Höhe knapp 7 Meter großes Kirchenzelt aufgebaut. Erweitert wurde dieses durch zwei weitere Katastrophenschutz-Zelte, die als zwei Kirchenschiffe dienten. Für das leibliche Wohl und etwas Aufwärmung sorgten die Malteser mit einer warmen Suppe die gegen eine kleine Spende ausgegeben wurde. Auch viele Obdachlose dankten diese Aktion bei den -2°C.
Es ist ein „Wagnis“, sagte Joachim Gerhardt, Pfarrer und Pressesprecher des Evangelischen Kirchenkreises Bonn. "Aber eines, das es sich einzugehen lohnt." Im ehemaligen Bonner Loch, das heute den ungleich schöneren Namen Klanggrund trägt, sang Sopranistin Ariane von der Heyden-Karas am Abend des 26. November schöne Arien. Von Johann Sebastian Bach und Henry Purcell. Begleitet wurde sie vom Harmonie-Ensemble des Landespolizeiorchesters NRW.
Dazu gab es Gesprächsrunden mit Dr. Andreas Archut, dem Stadtbeauftragten der Malteser Bad Honnef und mit Polizeikommissarin und Malteserin Annemarie Geyer. Beiden waren mit als Erste vor Ort im Tunnel der Loveparade, der 21 Tote und einige hundert Verletzte forderte. "Aus der Seele" sprachen beide über das Erlebte und Wege der Verarbeitung.
Den besonderen Ort der "Notkirche" begründete Joachim Gerhardt so: „Kirche hat dort zu sein, wo Menschen in Not sind“, Er vertritt den Veranstalter der Bonner Kirchennacht, die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) Bonn.
Dort, wo sich jahrzehntelang die Alkohol- und Obdachlosenszene der Stadt versammelte, wo seit ein paar Jahren GABI, die Gemeinsame Anlaufstelle Bonner Innenstadt der Polizei und der Bundesstadt Bonn, ansässig ist, fand sich ein neuer Veranstaltungsort für die Kirchennacht. „Wir wollen etwas ausprobieren, nicht immer nur alte Wege gehen, sondern auch das Neue suchen“, erklärt Gerhardt. „Hochkultur im alten Bonner Loch – das ist eine besondere Herausforderung.“
Bis Mitternacht erlebten nach Schätzung des Veranstalters mehr als 10.000
Menschen Bonns Kirchen einmal ganz anders. Ab 19 Uhr boten katholische
und evangelische Kirche, Freikirchen sowie die griechisch-orthodoxe und
altkatholische Kirche an 49 Orten verteilt im ganzen Stadtgebiet 188
Stunden Programm.



