Februar 2011,

Die Einsatzeinheiten der Malteser aus Bonn üben für den Ernstfall

Rund 40 Einsatzkräfte stellen sich einem Horrorszenario

Nach der Schulung von Führungspersonal im Rahmen einer Stabsübung für einen Großeinsatz im Januar 2011 galt es jetzt, die Zusammenarbeit besonders der Fachgruppen und Einsatzkomponenten der Malteser Einheiten aus Bonn-Mitte und Beuel für den Realfall zu erproben und sie dazu in eine Übung zu stellen.

Übungsleiter Robert Osten hat unter Beteiligung der Gruppe für realistische Unfalldarstellung "Bloody Malti" der Malteser Bad Honnef die Übung geplant und durchgeführt. Dazu hat er am 14. Februar 2011 rund 40 Helfer, 30 Patientendarsteller mit dem verantwortlichen Leiter Rainer Stens, Leitungs- und Rahmenpersonal sowie 10 Einsatzfahrzeuge in Beuel-Pützchen zusammengeführt.

Die Übung begann unter folgenden Ausgangsvoraussetzungen: In Bonn findet derzeit eine Großveranstaltung statt. An allen neuralgischen Punkten sind Helfer eingesetzt. Jetzt um 19:00 Uhr ist es bereits längst dunkel. Leichter Regen fällt und es ist kühl. Der Einsatzstab hat bisher keine Besonderheiten registriert. Dort ist man gelassen, da man sich mit den im Bereitstellungsraum der Beueler Malteser in Pützchen vorgehaltenen 40 Helfern und 10 Einsatzfahrzeugen gut gerüstet fühlt. Die Helfer im Bereitstellungsraum warten sehnsüchtig auf das Einsatzende, das erst in vielen Stunden kommen wird.

Kurz vor 19:30 Uhr rollt ein Nahverkehrszug der Rhein-Sieg-Eisenbahnen langsam in den Bahnhof Bonn-Beuel ein, als mehrere Täter im Triebwagen mutwillig und wahllos Reizgas versprühten, aus dem noch rollenden Zug springen und unerkannt flüchten.

Unter den Fahrgästen bricht Panik aus. Augen- und Schleimhautreizungen sowie Atemnot machen blind für nüchterne Reaktionen. Alle drängen rempelnd zu den Türen, viele stürzen dabei, andere trampeln darüber. Obwohl der Zug noch langsam rollt, springen viele heraus und landen auf dem Bahnsteig oder dem gegenüber liegenden Gleisbett.

Nach einer ersten Bewertung hat sich die Einsatzleitung wegen der Größe der Unglücksstelle und der Vielzahl an verletzten und verstörten Personen entschlossen, alle Einsatzkräfte der Malteser aus dem Bereitstellungsraum in den Einsatz zu führen.

Kurz danach laufen die ersten Alarmierungen im Bereitstellungsraum ein : Unglücksort, Anmarschweg und erste Kräfte Abmarsch sofort. Als erste werden das Notarzteinsatzfahrzeug sowie die Rettungs- und Krankentransportwagen in den Einsatz abgerufen.

Und los geht es: Blaulicht und Martinshorn an, raus aus dem Bereitstellungsraum auf den Anmarschweg. Nur wenig später rücken weitere Rettungskräfte, der Organisatorische Leiter Rettungsdienst (OrgL) besetzt durch Toni Neuhalfen und die Leitende Notärztin gespielt durch Dr. Myriam Harf in den Einsatzraum ab. Zug um Zug werden weitere Sanitätskräfte sowie Technik-/Sicherungstrupps in den Einsatz abgerufen. Als letzte rückt die Schnelle Einsatzgruppe Betreuung ab.

Die Führer der ersten eintreffenden Rettungskräfte müssen sich erst mal einen Überblick verschaffen, um Helfer und Sanitäter effektiv einsetzen zu können. Das ist bei leichtem Dauerregen und in der Dunkelheit gar nicht so einfach. Die Verletzten liegen weit verstreut auf dem Bahnsteig oder dem Gleisbett. Manche wanken Hilfe suchend umher. Dazwischen irren verstörte Personen und klammern sich an die Helfer.          

-Schreien, Stöhnen, Gebete, Flüche.-

Blaulicht zuckt, spiegelt sich bedrohlich auf dem nassen Kopfsteinpflaster und reißt für Bruchteile von Sekunden immer wieder einzelne Helfer und Verletzte fast schon gespenstisch ins Licht.

Den zuletzt am Unglücksort eintreffenden Trupps kommen bereits die ersten Helfer entgegen und begleiten Verletzte und Verstörte zur Betreuung. Etliche Helfer laufen mit Decken nach vorne, um andere Verletzte ein wenig vor Regen und Kälte zu schützen. Wieder andere Helfer legen Verbände an, überwachen den Kreislauf, reden gut zu, kämpfen um Wiederbelebung, schienen Gliedmaße, ertragen Verzweiflung, Wutausbrüche und Schreien der Verletzten, kommen mit Tragen angelaufen, packen an anderer Stelle mit zu, laufen Verwirrten hinterher….und manch einer hockt minutenlang völlig erschöpft am Boden. Gleichzeitig fahren die ersten Rettungs- und Krankenwagen los zum Krankenhaus.

An Stellen, zu denen die Scheinwerfer der Einsatzfahrzeuge und das zuckende Blaulicht nicht hinreichen, lässt der OrgL Scheinwerfer aufbauen. Das ist die Stunde der Techniker: mit geübten knappen Griffen werden Aggregate, Kabel, Ständer und Scheinwerfer rasch ausgepackt, montiert und mit Pylonen gesichert. Die aufflammenden Scheinwerfer reißen schlimme Szenen ins gleißende Licht; die Helfer aber sind dankbar, denn jetzt können sie ihre Hilfe gezielt einsetzen.

Als das Zeitgefühl fast schon verloren ist, ertönen zwei kurze Signale : Übungsende !
Übungsende ?  -Doch wirklich, wie ein Blick auf die kleine mitgeführte Übungsinformation lehrt.-  

Danach gehen Abbau und  Rückmarsch rasch voran.

Bei einer kurzen Abschlussbesprechung zeigt sich Übungsleiter Robert Osten sehr zufrieden. Alle wesentliche Übungsziele wurden erreicht. Gleichzeitig wurden wichtige Erkenntnisse für die weitere Ausbildungsvertiefung gewonnen.
Es hat sich für alle Beteiligten gelohnt. Der eingeschlagene Weg ist richtig und erfolgversprechend.

Autor: Konrad Koch

Hier finden Sie weitere Bilder der Übung.


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